Klingend bewegte Farben und Formen, 2003

Inszenierung nach der Musik von Georgs Pelecis Nevertheless (für Violine, Streichorchester und Klavier, 1993)

Die Inszenierung entwirft die Begegnung zweier gegensätzlicher Prinzipien – Violine und Klavier – als dramaturgisch angelegten Annäherungsprozess. Musik, Tanz und Bildende Kunst werden dabei als gleichwertige Gestaltungsebenen konzipiert und zu einem synästhetischen Gesamtraum verbunden.

Die Violine – organisches Prinzip: Die Violine ist als warmes, dynamisches Gestaltungselement angelegt. Die Farbgebung in Rot und Gelb bestimmt ihre visuelle Präsenz. Das Licht ist auf weiche Übergänge und Fading-Prozesse ausgelegt, wodurch ein fließender Eindruck entsteht. Formal erscheint die Violine als große, wandelbare Einheit, die sich an fünf definierten Punkten des Körpers verschieben lässt. Diese Beweglichkeit erzeugt variable Spannungszustände.

Das Klavier – konstruktives Prinzip: Das Klavier ist als kontrastierendes, strukturiertes Element gestaltet. Die Farbigkeit in Blau und Grün erzeugt eine kühlere, klarere Atmosphäre. Zwei kombinierbare Lichtquellen ermöglichen Überlagerungen, Kontraste und differenzierte räumliche Akzentuierungen. Seine Erscheinung setzt sich aus einzelnen geometrischen Modulen zusammen. Diese sind beweglich konzipiert und können sowohl isoliert als auch in unterschiedlichen Konstellationen verbunden werden. Die Mehrstimmigkeit des Instruments wird formal in der Möglichkeit der simultanen oder getrennten Bewegung der einzelnen Elemente übersetzt. Zu Beginn bleiben die geometrischen Formen bewusst unbestimmt und fragmentarisch. Im Verlauf der Inszenierung ist ihre allmähliche Entwicklung vorgesehen: Angestoßen durch das organische Prinzip der Violine verdichten sich die Module zunehmend und formieren sich schrittweise zu einer erkennbaren Figur.

Dramaturgie der Annäherung: Die Inszenierung basiert auf einem Spannungsfeld zwischen Fließendem und Konstruiertem, Wärme und Kühle, Linie und Struktur. Die szenische Entwicklung folgt einem kontinuierlich angelegten Transformationsprozess. Licht, Farbe, Form und Bewegung sind nicht illustrativ gedacht, sondern als gleichwertige Ausdrucksmittel, die musikalische Parameter – Melodie, Harmonie, Rhythmus und Dynamik – in visuelle und räumliche Strukturen übersetzen.

Die Inszenierung versteht die Performerin als „Instrumentalistin mehrerer Sinne“. Ihr künstlerisches Konzept beruht auf der Übertragung musikalischer Prozesse in Tanz, Farben und Formen. So entsteht eine interdisziplinäre Gesamtanlage, in der die einzelnen Künste nicht nebeneinanderstehen, sondern sich gegenseitig bedingen und in einem gestalteten Prozess der Annäherung und Transformation zusammengeführt werden.